5 Für ein Kinder- und Familiengerechtes Lichtenberg
„Eine Stadt für alle“ braucht ein Familiengerechtes Lichtenberg, in dem Jung und Alt in Solidarität zusammenleben. Zur Wahl steht ein neuer Generationenvertrag für die Stadt, der Kindern endlich den Platz einräumt, den sie brauchen, Jugendlichen mehr Mitbestimmung gibt, Familie und Beruf vereinbar werden lässt und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.
5.1 Zusammenleben der Generationen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN will Lichtenberger Leben so mitgestalten, dass sich alle Lichtenbergerinnen und Lichtenberger willkommen fühlen können und dass Kinder und Jugendliche sich in allen Entwicklungsphasen akzeptiert fühlen. Dass Familien und Menschen mittleren Alters das Zusammenleben verantwortlich gestalten. Dass ältere Menschen aktiv mitgestalten können. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN weiß, dass eine solche Kultur des Willkommen-Seins nicht administrativ angeordnet werden kann, sondern jeweils in den einzelnen Stadtteilen und Regionen mit den jeweiligen Bedingungen wachsen muss – und wachsen kann.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich ein für die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements. Dieses kann insbesondere dort entstehen, wo es Orte, Raum und Zeit für die Begegnung zwischen den Generationen gibt. Bürgerschaftliches Engagement wächst nicht von allein. Ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement bedarf professioneller Begleitung. Denn ehrenamtliches Engagement ersetzt an keiner Stelle hauptberufliches professionelles Handeln. Im Gegenteil: Ehrenamtliches Engagement wird in aller Regel erst durch hauptamtliches Engagement ermöglicht. Wir wissen das und setzen uns dafür ein, dass entsprechende Förderstrukturen im Bezirk erhalten bleiben und entwickelt werden – zu nennen sind hier zum Beispiel die Stadtteilzentren, deren Konzepte und Wirksamkeit gut entwickelbar sind.
Ältere und jüngere Lichtenbergerinnen und Lichtenberger können voneinander profitieren und lernen. Ob bei der gemeinsamen Gestaltung ihres Stadtviertels, bei der Gestaltung von Wohnformen, wie zum Beispiel generationsübergreifendem Wohnen oder auch bei der Zusammenarbeit in Unternehmen, wo Ältere mit ihren lebenslangen Erfahrungen und Jüngere mit ihrer Neugier und Kreativität gemeinsam tätig werden.
Menschen, die älter werden, sind zunehmend auf Unterstützung durch andere angewiesen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN will, dass niemand, der auf Unterstützung oder Pflege angewiesen ist, allein gelassen wird. Wir wollen erreichen, dass die Qualität der Betreuung in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Heimen verbessert wird und eventuell auftretende Missstände aufgedeckt und behoben werden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN will dazu in Lichtenberg Gremien anregen, die den politischen Kontakt mit den Versorgern pflegen, sich der Vermittlung zwischen Institutionen und Betroffenen und einer besseren Netzwerkbildung annehmen. Die Stellung der Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher soll gestärkt werden.
5.2 Kita-Plätze für alle bedeutet Chancengleichheit für Kinder und Eltern
Kinder werden in Lichtenberger Kindertagesstätten (Kita) gebildet, erzogen und betreut – im Entwicklungsvergleich zu Nicht-Kita-Kindern haben sie durchschnittlich bessere Chancen. Kitas unterstützen die familiäre Erziehung. Und sie sind wichtiges Element bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt einen Schwerpunkt bei der Kita-Entwicklung – es geht um Chancengleichheit für alle. Für Kinder und Eltern.
In Lichtenberg werden in den kommenden zwei Jahren 10 % mehr Kita-Plätze benötigt (ca. 1000 Plätze). BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass mindestens eine Kita neu errichtet wird und die Kapazitäten bei bestehenden Kitas erweitert werden. Für die Trägerschaft der künftigen Kita sollen Kita-Träger um qualifizierte Interessenbekundung gebeten werden, die Entscheidung für die künftige Trägerschaft soll in offenem, transparentem Verfahren getroffen werden.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass Initiativen von Eltern zur Schaffung von Kita-Plätzen – oder auch Initiativen von Kita-Trägern – unterstützt werden und dass bei der Planung und dem Ausbau von Kita-Kapazitäten Eltern frühzeitig beteiligt werden.
Wir setzen uns dafür ein, dass bei künftigen, auch mehrjährigen, Bedarfsschwankungen Kita-Kapazitäten nicht mehr nachhaltig abgebaut werden, um Fehler der letzten beiden Jahrzehnte, in denen viele Kitas abgerissen wurden, nicht zu wiederholen. Gegebenenfalls sollen einzelne Kitas als kurz- oder mittelfristige Zwischenlösungen andere Nutzungen erhalten, um dann langfristig bei Kita-Bedarf diesen wieder decken zu können.
Überdies regen wir an, Modelle zu entwickeln, bei denen Gebäude- und Raumnutzungen mit den Kindern „mitwachsen“: Es können Multifunktionshäuser geschaffen werden, die sowohl als Kita als auch später als Schule genutzt werden können. Denn die Standorte der Einrichtungen sind in jedem Falle zentral im Kiez – für kleinere oder auch größere Kinder. Und jedes Kita-Platz-Problem ist absehbar wenige Jahre später ein Schulplatz-Problem. Umzunutzende Multifunktionshäuser können dem entgegenwirken.
5.3 Jugendarbeit befähigt zu Selbstbestimmung und Mitverantwortung
In Lichtenberg gibt es in allen Stadtteilen offene Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Sie haben dort die Möglichkeit, ihren Interessen nachzugehen, die Angebote mitzubestimmen, mitzugestalten und erwachsene professionelle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu finden. Gerade auch junge Menschen in schwierigen Lebenslagen und -phasen finden in der Jugendarbeit und -sozialarbeit bedarfsgerechte Unterstützung.
In Lichtenberg entstand auf Anregung und unter fachlicher Begleitung durch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in den letzten Jahren ein zukunftsfähiges Leistungsvertragssystem der Jugendarbeit, in welchem Haushaltsmittel eingespart werden, ohne gleichzeitig Leistungen bei den Kindern und Jugendlichen zu kürzen. Unser Lichtenberger System prägt die Diskussion zur Jugendarbeit in Berlin. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wird den Weg der strukturellen Gestaltung weiterhin maßgeblich mitbestimmen.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vertritt die Auffassung, dass die Frage, ob eine Einrichtung in der Trägerschaft des Bezirksamtes oder von Freien Trägern geführt wird, keine vorrangige Frage ist. Beide Trägerschaften haben Vor- und Nachteile. Wichtig ist es, ein für den jeweiligen Stadtteil/Standort stimmiges Trägermodell abzuwägen, das am besten geeignet ist, auf die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen im Stadtteil einzugehen, und so hinreichend stabil ist, dass die Kinder und Jugendlichen das Angebot auch zukünftig vorfinden werden.
Unser Ziel ist die langfristige Sicherung und Entwicklung der Jugendarbeit in Lichtenberg und in Berlin. Wir setzen uns ein - für den Abschluss eines Rahmenvertrages „Jugendarbeit in Berlin“, damit die Kinder und Jugendlichen, die Träger der Einrichtungen und die Bezirke Sicherheit darüber gewinnen, welche Leistungen verlässlich in der Jugendarbeit erbracht werden, in welcher Qualität, Quantität und Ausstattung und welche Finanzierung hierfür erforderlich ist, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tariflich entlohnen zu können und die Angebote ausreichend zu finanzieren.
Die zur Verfügung stehenden Budgets im Bereich der Jugendarbeit in Berlin und deren Verteilung auf die Berliner Bezirke wird zurzeit neu diskutiert. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Lichtenberg wird sich konstruktiv in die Debatte mit dem Ziel einmischen, darauf zu achten, dass Lichtenberg dabei nicht benachteiligt wird. Falls es doch zur Budgetkürzung im Zuge einer Neuaufteilung in Berlin kommen sollte, setzt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sich dafür ein, dass es dennoch nicht zu einer weiteren Leistungskürzung für die Kinder und Jugendlichen in Lichtenberg kommt.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für den Ausbau von bestehenden Angeboten sowie für die Schaffung neuer bedarfsgerechter Angebote ein. Der ersatzlosen Streichung von Angeboten der Jugendarbeit wird BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Lichtenberg nicht zustimmen.
Geschlechterspezifische Arbeit und Diversity-Ansätze sollen in jeder Jugendfreizeiteinrichtung zum Selbstverständnis gehören und in den Einrichtungskonzeptionen entsprechend angelegt sein. Außerdem sollen die fachlichen Kompetenzen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Umgang mit Fragen zu lesbischen, schwulen, bi-, inter- oder transidenten Lebensweisen vorhanden sein.






