3 Für ein Lernendes Lichtenberg – Bildung und Lernen lebenslang
„Eine Stadt für alle“ gibt es nur in einem lernfähigen Lichtenberg mit besseren Kindergärten, besseren Schulen, besserer Aus- und Weiterbildung und besseren Hochschulen für alle.
3.1 Lernfähiges Lichtenberg – Schulen
Jede Ausgabe im Bereich ist eine Investition in unsere Zukunft. Alle jungen Menschen brauchen die gleichen Chancen auf Bildung, damit sie künftig die Berufe und Tätigkeiten ausüben können, die ihren Neigungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechen und mit denen sie sich identifizieren können – Berufe und Tätigkeiten, die ihren Horizont erweitern und mit denen sie Mitgestalterinnen und Mitgestalter unserer Gesellschaft werden können.
Die Entscheidung zur Schulreform, deren Umsetzungsprozess im Jahr 2010 begonnen hat, war ein erster Schritt. Die Schülerinnen und Schüler werden zunehmend einen größeren Teil ihres Tages an der Schule verbringen. Das verlangt die Entwicklung inhaltlicher Konzepte. Und zu deren Umsetzung müssen die räumlichen Bedingungen als Grundlage geschaffen werden. Hier sehen wir in Lichtenberg große Defizite. Die Realität an den Schulen bezüglich der Raumbeschaffenheit, Raumanzahl und -größe sowie deren akustischen Bedingungen sieht überwiegend sehr schlecht aus. Hinzu kommt der in weiten Teilen Lichtenbergs noch immer erhebliche Instandsetzungs- und Modernisierungsrückstau in den Schulen, und das trotz des Einsatzes der verschiedenen Programme wie des Schulanlagen- und Sportstättensanierungsprogramms, des Investitionspaktes und der Konjunkturprogramme. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für die Herstellung einer adäquaten räumlichen Infrastruktur an den Schulen in Lichtenberg ein. Wenn es nicht gelingt, hier deutliche Schritte vorwärtszukommen, den Sanierungsstau der Schulgebäude zu verringern, geeignete Raumkonzepte zu realisieren und die Lern-räume gut auszustatten, werden gut gemeinte Reformen scheitern.
Da die jungen Lichtenbergerinnen und Lichtenberger im Zuge der Sekundarschulreform in der Regel bis zum Nachmittag in der Schule sind, stellt sich die Frage nach der gesunden Ernährung der jungen Menschen neu. Die Mittagessenversorgung ist in den Schulen zwar formal in allen Fällen geregelt, jedoch ist die Frage der Attraktivität des Angebots ganz offensichtlich nicht so hinreichend gelöst, dass alle Schülerinnen und Schüler davon Gebrauch machen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass die Fragen zur gesunden, attraktiven Ernährung der Schülerinnen und Schüler an den Schulen diskutiert und adäquate Lösungen gefunden werden müssen – zum Beispiel, indem bedarfsgerechte Essräume bereitgestellt werden. Schule muss beides bieten: beste pädagogische Konzepte und gesundes Essen!
Im Grundschulbereich steht Lichtenberg in den nächsten Jahren vor großen Aufgaben. Innerhalb der nächsten Wahlperiode werden aufgrund der steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen neue Grundschulklassen im zweistelligen Bereich benötigt, für die es derzeit keine Räumlichkeiten gibt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass trotz des wachsenden Bedarfs eine wohnortnahe Grundschulversorgung in allen Stadtteilen Lichtenbergs sichergestellt bleibt. Die Schulentwicklungsplanung muss den Bevölkerungsentwicklungen in allen Stadtteilen gerecht werden. Insbesondere für die Bereiche Karlshorst und Rummelsburger Bucht sehen wir hier sensiblen Planungs- und Handlungsbedarf. Der Bezirk muss zügig mit einer langfristigen Planung für neue Grundschulstandorte beginnen!
3.2 Lernfähiges Lichtenberg – Bildungsinfrastruktur
Lichtenberg verfügt über eine gute Bildungsinfrastruktur: Hochschulen, Volkshochschule, Musikschulen und vier Bibliotheken. Gerade unter dem Gesichtspunkt des lebenslangen Lernens wird diese Bildungsinfrastruktur auch künftig für die Lichtenbergerinnen und Lichtenberger benötigt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, die bestehenden Angebote vielfältiger und bedarfsorientierter zu gestalten sowie sie finanziell abzusichern.
Unsere Bibliotheken brauchen bedarfsgerechte Mittel, die es ihnen ermöglichen, jedes Jahr neue Medien zu erwerben und das Angebot attraktiver zu gestalten. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wird die Möglichkeit der Einrichtung eines speziellen Fonds überprüfen, der die Einführung und Realisierung eines gruppenspezifischen Bildungs- und Kulturauftrags in den Bibliotheken, z.B. durch Ausstellungen, Seminare, Lesungen, Vorträge und Konzerte, ermöglicht.
Die Volkshochschule leistet einen wichtigen Beitrag bei der Erwachsenenbildung sowie bei der Integration von Migrantinnen und Migranten. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass die Alphabetisierungs- und Integrationskurse bedarfsorientiert angeboten und finanziert werden. Darüber hinaus soll in der Volkshochschule das Themenfeld der Umweltbildung auf- und ausgebaut werden.
Die Bedeutung generationsübergreifender Umweltbildung wächst angesichts der Herausforderungen, vor denen wir im Zeitalter der globalen Erwärmung und aller anderen Veränderungen in unserer Umwelt stehen. Menschen aller Alters- und Bevölkerungsgruppen werden ihr Umweltbewusstsein entwickeln und pflegen müssen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für den Erhalt und die Schaffung von Projekten ein, die sich mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung beschäftigen. Beispielhaft seien an dieser Stelle die Lichtenberger Umweltkontaktstelle im ersten Lichtenberger Interkulturellen Garten in der Liebenwalder Straße sowie die Naturschutzstation Malchow ganz im Norden Lichtenbergs genannt. Einrichtungen der Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung sollen verstärkt gefördert sowie personell und finanziell ausgestattet werden. Sie übernehmen wichtige Funktionen im Bezirk, in eigener Projektarbeit sowie an den Schnittstellen zwischen den Akteurinnen und Akteuren des Umweltschutzes und der Umweltbildung. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass der bezirkliche Einfluss auf die Berufs- und Erwachsenenbildung in diesem Bereich verstärkt wird.
Gute frühkindliche Entwicklung, Musik und Musikerziehung stehen nicht selten in unmittelbarem Zusammenhang. Lichtenberg leistet an allen drei Musikschulstandorten eine gute Musikerziehung, deren Konzepte – insbesondere im Bereich der musikalischen Früherziehung mit den dezentralen, aufsuchenden Angeboten für unsere Jüngsten – über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt sind. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Angebote und für eine gute Ausstattung ein.
3.3 Kitas sind Bildungseinrichtungen – von Anfang an
Damit die Kinder tatsächlich von Beginn an adäquate Bildungseinrichtungen finden können, brauchen wir in Lichtenberg Kitas, bei denen die Qualität stimmt und entwickelt wird.
Die Forderungen des Kita-Volksbegehrens – Verbesserung des Verhältnisses zwischen pädagogischem Personal und Kindern sowie Ausdehnung der Regel-Kitazeit – wurden durch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN von Beginn an unterstützt. Einige der wesentlichen Hauptforderungen werden bereits schrittweise umgesetzt. Ein erster Erfolg, dem weitere Schritte folgen müssen.
Die Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms in den Kitas braucht Begleitung. Die Rolle des Bezirks ist es vor allem, aktiv moderierend und mitgestaltend zwischen den Beteiligten (Kitas, Träger, Familien, Politik) tätig zu werden. Besonders bei uns in Lichtenberg ist es wichtig, mit Kindern bereits im Kita-Alter partizipative Prozesse und Projekte zu beginnen – sie sind wichtige Bausteine für deren demokratischen Lernprozess.
Kinder essen in Kitas und erlernen hier – außer im Elternhaus – die Grundlagen ihrer Ernährung. „Gesunde Ernährung“ ist zwar eine Auflage in der Kita-Qualitätsvereinbarung, wird jedoch nicht immer wirklich umgesetzt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass die Zubereitung von Essen möglichst in der Kita erfolgt – unter schrittweiser Einbeziehung der Kinder und unter weitestgehendem Verzicht auf vorgefertigte oder vorgegarte Produkte.
Genmanipulierte Lebensmittel haben keinen Platz in der Kita. Wir fördern den Dialog und die Diskussion zur Qualitätsentwicklung rund um das Essen in Kitas. So können gute Beispiele veröffentlicht und auf diese Weise anderen empfohlen werden. Und wieso sind eigentlich Bio-Produkte noch immer nicht auf allen Kita-Speiseplänen selbstverständlich? Immerhin gibt es einen Lichtenberger Kita-Träger mit fast eintausend Plätzen im Bezirk, in dessen Kitas ausschließlich zertifizierte Bio-Produkte angeboten werden. Ohne Mehrkosten für die Kinder und Eltern. Ein Beispiel, das Schule – oder besser Kita – machen könnte.
Keine Kita ohne Eltern, denn Eltern sind wesentliche Gestalter. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wirkt darauf hin, dass Eltern in Kita-Fragen sowohl in ihrer Kita als auch bei ihrem Kita-Träger und im Bezirk einbezogen sind. Partizipation ist ein vielfältiger Prozess – und eine Grundhaltung, deren Stärkung in unserem Bezirk nötig ist.
Kritik von Kindern oder Eltern ist ein wichtiges Instrument für die Qualitätsentwicklung in Kitas – eine Form des Feedbacks. Viel zu oft erleben wir jedoch, dass auf Beschwerden eher verzichtet wird. Wir wirken darauf hin, dass die Möglichkeit Beschwerden anzubringen, etwas Selbstverständliches im Bezirk wird. Die Einrichtung einer Ombudsperson, bei der auch vertrauliche Hinweise möglich sind, wird von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in diesem Zusammenhang vorgeschlagen.






