6 Leben in Lichtenberg - Von Wohnraum, Mobilität und Umwelt
„Eine Stadt für alle“ meint ein Lebenswertes Lichtenberg für alle. Eine Stadt, in der alle gut leben können, braucht bezahlbare Mieten. Eine neue Politik des öffentlichen Raums braucht Mobilität für alle. Eine intakte Umwelt braucht Vielfalt, Respekt und Sicherheit.
6.1 Lebenswertes Lichtenberg
Die Entwicklung der Stadt soll den Bürgerinnen und Bürgern dienen. Sie verändert unser Stadtbild und die Gesellschaft. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass unser Bezirk weiterhin ein markanter Bestandteil von Berlin bleibt und seine städtischen Lebensformen weiterentwickelt.
Der Zuzug in unseren Bezirk ist erfreulich und zeigt, dass Lichtenberg ein attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten ist. Allerdings darf es nicht zu einer Aufwertungs- und Verdrängungsspirale kommen, wie sie in anderen Bezirken zu beobachten ist. Eine Entmischung, bei der homogene Sozialräume entstehen, in denen jeweils Bevölkerungsteile mit mehr und mit weniger materiellem Einkommen jeweils unter sich sind, wollen wir verhindern. Wir werden uns deswegen für eine gezielte Wohnungspolitik in Kooperation mit Wohnungsbaugenossenschaften und -unternehmen und für den Erhalt und die Förderung einer ausgewogenen Durchmischung einsetzen, die sowohl den Wohlhabenden als auch den Menschen mit geringeren Einkommen, sowohl den jüngeren als auch den älteren Menschen ebenso wie Familien einen gemeinsamen Lebensraum garantiert.
Der ständige Anstieg der Mieten darf sich nicht ungebremst fortsetzen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass die Gewinnziele der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften nicht den Vorrang vor ihrem Wohnungsversorgungsauftrag haben. Wir werden prüfen, ob und welche Mieterhöhungen wirklich begründet und gerechtfertigt sind. Wir brauchen eine umfassende ökologische Sanierung, deren Kosten jedoch angemessen sein müssen und nicht nur zu Lasten der Mieterinnen und Mieter gehen.
Altersgerechtes Wohnen wird zunehmend eine Rolle spielen. Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, dass es in unserem Bezirk ausreichend Angebote gibt, die dies ermöglichen.
Damit alle gleichberechtigt leben können, müssen sich alle im öffentlichen Raum barrierefrei bewegen können. Ein guter Schritt war es, dass BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Absenkung von Bordsteinen an diversen Stellen gefordert hat. Dies wird im Bezirk nun jährlich an mehreren Stellen fortlaufend durchgeführt.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für eine Mobilitäts- und Fahrradkonzeption ein, die ein ausgewogenes Netz für die Fortbewegung ermöglicht und möglichen und bestehenden Gefahren vorbeugt bzw. diese reduziert.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN denkt über Ortsteilgrenzen hinaus. Es fällt auf, dass wir wenige Verknüpfungen zwischen den Stadtteilen in unserem Bezirk haben. Wir setzen uns für städtebauliche Kriterien ein, die eine Integration der Ortsteile ermöglichen. Eine leere Fläche kann doch z.B. mit einem schönen Park oder einer geeigneten Bebauung so gestaltet werden, dass die Bürgerinnen und Bürger benachbarter Stadtteile deren Verbindung erleben können.
6.2 Spielplätze sind Freiraum
Spielplätze gehören in jedes Wohngebiet. Sie gehören zu den wichtigsten Orten für die Entwicklung von Kindern außerhalb des häuslichen Bereichs. Neben der Motorik der Kinder wird vor allem auch ihr Sozialverhalten gefördert – hier eignen sich Kinder Fähigkeiten an, die bis ins Erwachsenenleben wirksam bleiben.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass Spielplätze in jedem Wohngebiet erhalten bleiben, dass Spielplätze – wo sie denn neu benötigt werden – für die jeweilige spezielle Zielgruppe neu gebaut werden und dass sie regelmäßig und adäquat gepflegt und instand gehalten werden.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass auch besondere Spielplätze für Kinder als attraktive Anziehungspunkte im kinder- und familienfreundlichen Lichtenberg erhalten bleiben und ggf. ausgebaut werden: Erlebnisspielplätze oder Abenteuerspielplätze – zum Beispiel mit besonderer Geländemodellierung, besonderen Spielmöglichkeiten, Klangspielen oder mit Naturerlebnisräumen wie Barfußpfad, Wasserplatz oder anderen kreativen Angeboten.
Bei der Neu- oder Umgestaltung von Spielplätzen sollen die künftigen Nutzerinnen und Nutzer bereits in die Planungsphase mit einbezogen werden. Zudem soll darauf geachtet werden, dass sowohl Mädchen als auch Jungen ihren Platz auf den Spielplätzen finden können – Geschlechtergerechtigkeit gehört bereits auf den Kinderspielplatz.
Spielplätze sind nicht nur Orte für Kinder. Sie sind auch Treffpunkte anderer Altersgruppen, von Eltern, aber auch der Großelterngeneration. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich dafür ein, dass Begegnungen zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen in der Anlage und Gestaltung der Spielplätze selbstverständlich berücksichtigt werden. Spielplätze als Mehrgenerationentreffpunkte sollen ebenfalls in allen Stadtteilen selbstverständlich werden.
6.3 Mobiles Lichtenberg
Der Neubau von Autobahnen und Straßen löst Verkehrsprobleme nur zum Schein. Denn mit ihm werden die vom motorisierten Individualverkehr verursachten Konflikte lediglich verlagert. Dem Ziel, die Erderwärmung zu begrenzen, kommen wir so keinen Schritt näher. Der motorisierte Individualverkehr wird Verkehrsprognosen zufolge bis 2025 um mindestens 15 % sinken – so lösen sich erfreulicherweise einige unserer zurzeit mit ihm erlebten Konflikte von allein.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehnt einen Weiterbau der A100 entschieden ab. Wir halten den Autobahnbau für eine zerstörerische Antwort auf die Herausforderungen im Umgang mit Mobilität. Die geplante Nord-Süd-Verbindungsstraße (Tangentialverbindung Ost, TVO), die durch Naturschutzgebiete führen soll, nimmt uns die Chance, die Verkehrsprobleme von Karlshorst rücksichtsvoller, effektiver und effizienter zu lösen. Wir lehnen sie daher ab!
Überdies erscheint es widersinnig überhaupt an einen Neubau von Prestige-Projekten, wie die TVO, zu denken, da doch angesichts Berlins knapper Kassen in den nächsten Jahren nur ein Bruchteil der erforderlichen Mittel für die notwendige Sanierung des vorhandenen Straßen- und Schienennetzes zur Verfügung steht.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für die Sanierung bestehender Straßen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Mobilitätsinteressen aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer ein. Wir wollen, dass das Tram-Netz besser genutzt und ausgebaut wird. Zur Verbesserung der Verkehrsbeziehungen zwischen dem Nord-Osten und dem Süd-Osten Berlins setzen wir uns für den Einsatz einer „Sofort-Grün“-Vorrangschaltung für die Tram-Linie M 17 vom S-Bhf. Friedrichsfelde-Ost bis S-Bhf. Schöneweide sowie deren mittelfristige Verlängerung vom Sterndamm bis zum Zwickauer Damm ein. Dies lässt sich vergleichsweise kostengünstig organisieren. Der Bezirk Lichtenberg wird von mehreren stark vom Durchgangsverkehr belasteten Straßen durchzogen. Damit verbunden sind hohe Lärm- und Erschütterungsbelastungen für sehr viele Anwohnerinnen und Anwohner sowie weitere Umweltbelastungen. Da Quell- und Zielverkehr in der überwiegenden Anzahl außerhalb von Lichtenberg liegen, können diese Verkehrsprobleme nur in Kooperation mit den umliegenden Bezirken und dem Brandenburger Umland gelöst werden.
Wir fordern, mit der stufenweisen Realisierung der sogenannten „Nahverkehrstangente“ auf dem Berliner Bahn-Außenring in der nächsten Legislaturperiode zu beginnen. Dadurch werden die Ostbezirke Pankow, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick untereinander und mit dem Flughafen BBI besser verbunden. Das ist eine kostengünstige Alternative zur A100-Verlängerung und zur geplanten Tangentialverbindung Ost. Der Bahnhof Lichtenberg wurde in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend vom Berliner Umland abgetrennt, nur wenige Regionalbahnen nehmen hier ihren Ausgang und haben hier ihren Endpunkt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich für eine sinnvollere Linienführung von Regional- und S-Bahn-Linien vom Berliner Norden bis in den Berliner Süden ein. Der Bahnhof Lichtenberg ist dabei ein wichtiger Knotenpunkt. Damit gäbe es auch für die Fahrgäste der Züge, die aus dem Osten kommen, günstige Umsteigemöglichkeiten in den Norden und in den Süden Berlins, die Attraktivität dieses Bahnhofes würde seiner Kapazität wieder besser entsprechen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass alle Regionalbahnhöfe, wie zum Beispiel der Bahnhof Karlshorst und der Bahnhof Hohenschönhausen, erhalten bleiben und die Anbindung an das Umland attraktiver wird.
Die Autonutzung, insbesondere bei günstigen Anbindungen an den Öffentlichen Personennahverkehr, ist seit vielen Jahren rückläufig. Auch immer mehr Lichtenbergerinnen und Lichtenberger sind auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad umgestiegen. Wir setzen uns für ein Umdenken von der autogerechten Stadt zu einer Stadt für alle ein – für Fußgängerinnen und Fußgänger, für Radfahrerinnen und Radfahrer, für Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit körperlichen Einschränkungen und alle anderen. Das ist durch Neubau und Sanierung von Straßen, Plätzen, Wegeführungen sowie Umsteigemöglichkeiten beim Öffentlichen Personennahverkehr realisierbar.
In den letzten Jahren stieg der Anteil der Radfahrerinnen und Radfahrer am Verkehrsaufkommen. Dabei wird das Fahrrad zunehmend auch zum Einkaufen benutzt. Die Bedingungen dafür entsprechen bei weitem noch nicht den Anforderungen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich besonders für den Bau von günstigen Fahrradabstellmöglichkeiten in und an Wohnanlagen, an Einrichtungen von Einzelhandel und Dienstleistungen sowie an öffentlichen Einrichtungen ein. Die Kampagne „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ (zurzeit ein Projekt der Krankenkassen) passt auch nach Lichtenberg!






